Koptische Ikonen - Äthiopien

Apa Mena hat einen starken Freund

 

Apa Menas und Christus Freundschaft

Christus beschützt seinen Freund Apa Mena,
ägyptische Ikone aus dem frühen 6. Jahrhundert

 

Die Araber drehten das Wort Ägypter zu „Kopten“, wie später Konstantinopel zu „Istanbul“. Damit sind zwei wichtige Zentren altchristlicher Kultur benannt, die heute als christliche Minderheiten in lebensbedrohendem Abwehrkampf gegen den Islam stehen. Vor allem Alexandria am Nildelta war mit Rom und Athen ein Mittelpunkt der hellenistischen, altchristlichen und später muslimischen Kultur. Der Geist von Alexandria wehte weltoffen wie der Apostel Paulus oder der Evangelist Markus, der das Christentum nach Ägypten gebracht hatte. Es wurde immer der Brückenschlag vom Christentum zur klassischen griechischen Philosophie versucht. Die 8 bis 10 Millionen Kopten am Nil (unter knapp 90 Millionen Ägyptern) sind von der über 1400jährigen Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Islam geprägt, die gerade in der neuesten Zeit sehr leidvoll geworden ist.

„Christus beschützt Apa Mena“ ist eine kleine Ikone, die heute oft als Reise- oder Segensikone verwendet wird. Vor allem Jugendlichen ist sie vom evangelischen Klosterzentrum Taizé her bekannt als Freundschaftsikone – ein gutes Beispiel für einen neuen, schönen Umgang mit Ikonen, ohne dass die alte tiefe Bedeutung geschmälert wurde. Apa Mena hat einen starken Freund, denn Jesus selbst beschützt ihn. Mena war ein ägyptischer Soldat, der nach seiner Bekehrung zum christlichen Glauben als Einsiedler in der Wüste lebte. Kaiser Diokletian ließ ihn aufspüren und im Jahr 298 nach Folterqualen hinrichten.

Der ägyptische Totengott legte den Verstorbenen seine rechte Hand auf die Schulter, um ihn gut in das Jenseits zu begleiten – dies hat wohl die Zeichnung dieser Ikone beeinflusst, jeder konnte es damals herauslesen und verstehen. Jesus trägt ein Buch in seiner Hand, das geschriebene und gesprochene Wort des Ewigen Wortes, das Fleisch geworden ist. Vater Mena trägt die Schriftrolle seiner Lebensordnung mit sich, das Wort Apa (Abbas Vater, später im Westen zu Pabest/Papst oder Abt geworden) kennzeichnet ihn als Leiter einer Mönchsfamilie. Zweimal wird er schriftlich genannt als „Apa Mena Wächter“, einmal oben am lachsfarbenen Himmel und das zweite Mal unten in der grünlich braunen Erde. Dies soll wohl heißen, er lebt im Himmel wie auf Erden. Bei Jesus steht die Bezeichnung Retter (Sotér). Und in der Mitte das Christuszeichen XP – griechisch Ch und R für CHRistós.

Was aber bei dieser Ikone am meisten beeindruckt, ist die feierliche Ruhe, die Sicherheit und brüderliche Verbundenheit Jesu mit seinem Freund. Und dies gilt auch für uns alle. Wir haben einen starken und lieben großen Bruder an der Seite. In seinem goldenen Heiligenschein steht das Kreuz, im Schein des Mena und in unserem fehlt es, denn der Herr trägt es mit uns und für uns. Wahrhaftig ein Bild der Freundschaft und des Segens!

 

 

Engel Ikone äthiopisch
Kirchen in Äthiopien: Unzählige Engel schauen dich an
mit großen, fragenden, wissenden Augen

 

Dreimal „Äthiopien“ in der Bibel

 

Der Stammvater Noach hatte nach der Sintflut drei Söhne:  Sem, Cham und Japhet – entsprechend die Völker von Asien, Afrika, Eurasien. Sem wurde also zum Stammvater der jüdischen und arabischen Völker; Japhet zum Vorfahren der heute türkischen und griechischen Völker und Cham der Völker am Nil bis Äthiopien hinauf. Dadurch gehören die Äthiopier von Anfang an zur Heilsgeschichte der Bibel, man hört im Land heute noch das Westhebräische ähnlich der Sprache des Alten Testamentes.

König Salomon war reich und klug, sein Ruhm drang bis zur Königin von Saba. In den ältesten Überlieferungen stammte diese aus Aksum im Norden Äthiopiens. Sie besuchte um 950 v. Chr. den König Salomon; sie brachte ihm reiche Geschenke und staunte über seine Weisheit. Aus ihrer kurzen Beziehung zu Salomon wurde sie schwanger und gebar einen Sohn; sie nannte ihn Menelik. Dieser besuchte seinerseits Salomon, und wurde reich beschenkt mit der Bundeslade und den zwei steinernen Tafeln des Mose, die seither in Aksum hoch verehrt werden.

Der Apostel Philippus trifft auf dem Weg von Jerusalem nach Süden den Schatzmeister der Königin Kandake von Äthiopien. Philippus stieg auf den Wagen des wissbegierigen Kämmerers und sprach mit ihm über das Buch Jesaja: „Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt.“ Auf der Stelle ließ sich der hohe Beamte taufen – und brachte so den christlichen Glauben nach Äthiopien.


 

Sturm auf dem See Ikone äthiopisch
Neuere Ikone aus einem Kloster im Tana-See in Äthiopien

 

„Ihr Kleingläubigen! Warum habt ihr Angst?“

In Äthiopien blühte das orthodoxe Christentum vor allem im Norden. Das bewohnte Land ist bis 3000 m hoch gelegen und gebirgig, so konnte es sich gegen die umliegenden islamischen Uferstaaten und Arabien behaupten. Heute zählt das Land an die 100 Millionen Einwohner, davon etwa 55 % Christen (davon 40 % äthiopische Orthodoxe) und 40 % sunnitische Muslime. Da einige hundert der ersten Anhänger Mohammeds vor der Verfolgung in Mekka in Äthiopien Zuflucht fanden, wurden sie im Koran vom Dschihad ausgenommen – das bewirkt bis heute einen erträglichen religiösen Frieden im Land. Die Hauptsprache Amharisch ist übrigens eine semitische Sprache, also dem biblischen Hebräisch nahe verwandt. Das selbstbewusste äthiopische Volk mit seinen über 80 Stämmen und Sprachen unterscheidet sich sehr von den afrikanischen Völkern, und es war nie vollständig unter ausländischem Einfluss und in europäischer Kolonialherrschaft (Ausnahme 5 Jahre umkämpftes italienisches faschistisches Abenteuer vor 80 Jahren).

Um die legendäre Stadt Gondar im Norden sowie am und im riesigen Tana-See blühte in den letzten Jahrzehnten wieder die Ikonenkunst auf. Durch politische und gesellschaftliche Wirren sowie durch den Überlebenskampf gegen Naturgewalten und den Islam war auch das kirchliche Leben Jahrhunderte lang beeinträchtigt. Die äthiopischen Ikonen wirken für uns eher kindlich und naiv. Dies wegen der großen Augen, auch die Köpfe sind meist übergroß und genauso die wichtigsten Figuren durch die Bedeutungsperspektive.

Vor uns eine äthiopische Ikone, Sturm auf dem See. Fast naiv gemalt, die Fischer haben Angst vor dem Sturm. Blau das bewegte Meer, doch schon regenbogenfarben der versöhnte Himmel – und dazwischen das Boot der Fischer mit dem Herrn. Typisch die Sprache der Augen: fast alle sind auf Jesus gerichtet, doch der schläft. Steuermann und Ruderer schauen ängstlich auf die vor ihnen sich türmenden Wellenberge, der Fischer Petrus hat schon aufgegeben und weckt rüttelnd den Herrn in der Mitte. „Ihr Kleingläubigen“ schimpft Jesus, aber: „Herr, viele von uns schwimmen schon mit Rettungsreifen im Meer.“ Auch ich, du, wir heute – was tun, wenn Gott schläft? Um einen wie Petrus beten, dass er ihn weckt? Der als Fischer schwimmen konnte und Angst hatte? Oder Jesus, dem Sohn Gottes, das Schläfchen gönnen? Denn solange er bei uns im Schiff ist, hält ein havariertes Boot ja aus – auch in Ihrer Familie und am Arbeitsplatz. Diesen Glauben jedenfalls kann mir niemand nehmen!
 

Äthiopische Ikonen


Georg Ikone ähtiopisch

Der heilige Georg
besiegt den Drachen
und rettet
die Königstochter

 

Zeitgenössische Ikone
aus einem Kloster
auf einer Insel
im Tana-See

 

 

 

 

 

 

 koptische Ikonenmalerei Triptychon
Triptychon mit Leben Jesu im Mittelteil
 

 

Äthiopische Ikone Diptychon Maria Verkündigung Geburt Jesu

 

Diptychon als Reiseikone

 

Verkündigung an Maria

 

Geburt Jesu
mit Josef
und jungem Hirten
(stellvertretend
für mich!)
 

 

 

 

 

 

 

 

 


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